Restaurant: Silvester im „Vecchia Banca“

1. Januar 2012 | Von | Kategorie: Restaurant

Das Essen in einem Restaurant sollte so sein, dass man neue Ideen und Geschmackserlebnisse bekommt.

Eigentlich gibt es für Restaurants kaum etwas Besseres als Sonderveranstaltungen wie etwa Silvester. Wann kann ein Koch sonst so gut kalkulieren wie an den Tagen, an denen es exakt ein Menü gibt, dass er bestimmt und die Zahl der Gäste schon Tage vorher bekannt ist.

Wir haben uns in diesem Jahr entschlossen im „La vecchia banca“ essen zu gehen, da einerseits das Restaurant schön und andererseits das Menü ansprechend ist. Das Team der „Alten Bank“ bietet eine Speisefolge von acht Gängen an, von denen immerhin fünf aus dem Meer stammen und damit recht leicht zu sein verspricht.

Wer in ein gutes Restaurant geht erwartet neue Geschmackserlebnisse

Unsere Erwartungen sind hoch, da alle Gänge Wahl des Küchenchefs sind und die einzige Herausforderung zu sein scheint, dass die Gäste nicht gleichzeitig zum Essen kommen.

Wir betraten das bereits fast volle Restaurant gegen 19:40 und wurden sofort freundlich begrüßt und an unseren Tisch gebracht. Da wir keine Speisekarte benötigten wurde uns sofort ein Glas Champagner  und der erste Gang vom Format eines Amuse-Gueule „Gebratener Kabeljau auf in Portwein glacierten Zwiebeln“ serviert. Der Auftakt war schon mal erfreulich.

Kaum hatten wir die Getränke geordert kam auch schon der nächste Gang. Auf unseren Tellern lag je ein „Halber Bretonischer Hummer in Pfifferlingskruste“. Die Hummer schienen offensichtlich magersüchtig gewesen zu sein, so schmal lagen die Tiere auf den Tellern. Die Kruste war etwas trocken. Wer einmal Hummer in Main gegessen hat, der ist nicht so leicht zu überzeugen. Dort wird er pur, nur mit etwas Butter und Maisbrot serviert und ist dabei so saftig und zart das beim Biss in das Tier der Saft herausspritzt. In Deutschland habe ich bislang keinen Vergleichbaren  Hummer gegessen.

An Feiertagen zeigen Restaurants was sie alles leisten können

Weiter ging es dann mit einer kleinen „Linsensuppe mit karamellisierter Jacobsmuschel“. Die Suppe war leicht und mit eleganter Säure abgeschmeckt.

Im  nächsten Gang gab es dann endlich Pasta. Auf den Tellern lagen „Tortelloni mit Scampis und Minze gefüllt an Zitronensauce und Kaviar“. Die Scampi waren sehr dezent, dafür war die Sauce intensiv zitronig, der Kaviar hatte eher dekorativen Charakter.

Der nächste Gang stand dann wieder ganz im Zeichen der Meerestiere. Die Kellner servierten „Weiße Heilbuttmedaillons auf getrüffeltem Risotto“. Der Fisch war auf den Punkt gebraten, der Risotto cremig und das erdige Aroma der Trüffel unterstützte wunderbar Fisch und Reis.

Nach einer kleinen Pause servierten uns die Kellner ein „Melonensorbet mit Limetten und Chili“ um für das Finale im Magen wieder Platz zu schaffen. Das Sorbet schmeckte intensiv melonig mit einer feinen Schärfe. Das Sorbet wurde in Sektgläsern mit dickem Strohhalm serviert. Die Konsistenz  verkomplizierte das Essen leider etwas.

Nach einer kurzen Pause folgte der Fleischhauptgang. Aus der Küche kam „Rehrücken in Kräuterkruste auf Rotweinsauce mit Quitten“. Das Fleisch lag auf einer cremigen Polenta. Das Reh war auf den Punkt, saftig und zart mit einer würzigen Kräuterkruste. Allein die Rotweinsauce war mir etwas zu herb.

Den krönenden Abschluss des Silvestermenüs bildete zweierlei Desserts. Es wurden „Pistazienparfait mit Kürbiskernöl auf Zuppa Inglese Crème  und Tonkabohnen Crème Brûlée“ serviert. Die Creme Brûlée hat mir sehr gut gefallen, das Kürbiskernaroma aber war nach meiner Meinung zu intensiv für das Pistazienparfait.

Die besondere Stärke des Küchenchefs lag an dem Abend beim Fisch, der perfekt gebraten war, ebenso war das Fleisch auf den Punkt. Der für mich stärkste Gang war auf jeden Fall die „Weißen Heilbuttmedaillons auf getrüffeltem Risotto“. Das gesamte Gericht war harmonisch, das Risotto cremig, die Trüffelscheiben aromatisch aber nicht penetrant und der Fisch saftig.

Gegen 23:30 verließen wir das bereits zu 80% geleerte Restaurant. Nach diesem Abend war es sicher nicht das letzte Mal, dass wir im „La vecchia banca“ gegessen haben.


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