Restaurant: Supper Club „Zenzakan“ in Frankfurt

15. November 2009 | Von | Kategorie: International, Restaurant

Restaurants wie das Zenzakan ist aufgrund der Preisgestaltung nichts für jeden Tag

Auf die Restaurant Tipps der FAZ ist Verlass. Normalerweise jedenfalls. Der Autor ist der Meinung dass das Zenzakan, das im Untergeschoss des neuen Campus an der Taunusanlage beheimatet ist, einen Besuch wert sei. Der Artikel bezog  sich sowohl auf die Location als auch auf das Essen. Also rief ich am 14. 11. an, um einen Tisch für 2 Personen um 20:00 zu reservieren. Das sollte eigentlich kein Problem sein, da das Lokal riesig sein soll, keine große Messe in Frankfurt ist, wir eigentlich eine Wirtschaftskrise haben und das Lokal nicht im Verdacht steht, billig zu sein. Eine freundliche Dame am Telefon erklärte mir, dass wir entweder sofort kommen müssen oder erst um 21:15. Wir entschieden uns für Letzteres, parkten in der Alten Oper und liefen die paar Meter zur Taunusanlage. Wer ein Wenig aufmerksam ist, kann die Ausschilderung nicht verfehlen, sofern er weiß, dass das Zenzakan im Tiefgeschoss liegt und man eine breite spärlich beleuchtete Treppe hinabsteigen muss. Hätte ich nicht gewusst, dass der „Supper-Club“, so nennt sich das Restaurant, geöffnet hat, wir wären vermutlich wieder gegangen. Kein Ton und kein Lichtstrahl dringen nach Draußen.

Restaurants wie das Zenzakan sind sicher am Besten, wenn man in einer Gruppe hingeht und nicht aufs Geld achtet

Wir betreten das Restaurant und sofort stehen wir vor einer Batterie von nachgebildeten chinesischen Tonsoldaten. Ein höflicher Mitarbeiter fragt nach unserer Reservierung, nimmt uns unsere Jacken ab und verweist uns auf seinen Kollegen, der uns rasch an unseren Tisch bringt. Uns fällt auf, dass es in dem hinteren Teil des Restaurants ausgesprochen Dunkel ist, was sich bestätigt, als uns ein Mitarbeiter die Karte reicht. Sofort fragt er uns nach einem Aperitif. Wir waren versucht, unseren obligatorischen Campari-Orange zu bestellen, fragten aber dennoch, was uns der Mitarbeiter empfehlen könne. „Wir haben alles!“ war seine vollmundige, aber wenig hilfreiche Aussage. Also bestellten wir einen Prosecco mit Sirup a la Kir. Doch gleich beim Ersten Versuch musste er passen, aber er könne uns ein Glas Champagner anbieten. Als wir uns für Campari entschieden, spürte man förmlich sein Mitleid- oder war es Verachtung?

Restaurants in der Frankfurter Innenstadt haben immer ein etwas höheres Preisniveau

Als sich der „Vorarbeiter“ zurückgezogen hatte, widmeten wir uns dem Studium der Karte. Das wäre bei dem zwei Seiten umfassenden Werk eine abendfüllende Beschäftigung gewesen, wenn uns nicht ein Gast vom Nachbartisch eine Taschenlampe gegeben hätte. Er habe das kleine Hilfsmittel vom Personal des Zenzakan bekommen, uns ließ man ohne Beleuchtung raten, was wir  essen wollen. Ich kann niemandem empfehlen zu bestellen, ohne mit Hilfe der kleinen Taschenlampe, die Preise gelesen zu haben. Vorspeisen können schnell mal €15,- kosten und Hauptspeisen erreichen in der Spitze durchaus €75,-. Clever, wer vorher seine Brieftasche nach ausreichend Kleingeld überprüft. Die Getränke haben wir ohne Karte geordert, was in solchen Lokalen mit einem gewissen Risiko verbunden ist. So schlugen die Campari-Orange mit je € 11,- und die Flasche Selters mit stolzen € 8,90 für 0,7 l zu Buche. Es wäre ein Service am Kunden, wenn eine Aperitif Karte auf dem Tisch läge, damit den Gast nicht der Schlag trifft, wenn die Rechnung kommt.

Aber nun zum Essen, das immer gelobt wird. Nach langer Wartezeit hatten wir  eine Portion Wan Tan, die nicht schlecht, aber extrem scharf waren und mit € 13.90 auch ziemlich teuer. Die zweite Vorspeise war eine gute Tom Khai Gai, die ich in der Innenstadt bei einem erstklassigen Thai für den halben Preis essen kann. Die Hauptgerichte waren aber die größere Enttäuschung. Ich hatte die Teriyaki Short Ribs, die für stolze € 29.90 auf der Karte stehen. Das Fleisch war extrem mürbe, hatte Eigengeschmack, schien aber sonst komplett ungewürzt. Das Fleisch lag auf matschig gekochtem Klebreis, der leider niemals Salz gesehen hat. Das Gemüse war belanglos und die Sauce schmeckte zwar deutlich nach fois gras, wirkte dabei allerdings unangenehm fettig.  Das zweite Hauptgericht war ein grünes Curry, das gut aber viel zu teuer war. In dem Curry schwammen aromatische Zutaten herum, die bestimmt nicht zum Verzehr bestimmt waren, aber aufgrund der herrschenden Finsternis konnte man nicht erkennen was man so auf der Gabel hatte bzw. zwischen den Stäbchen und die Reisportion war so winzig, dass sich jeder Chinaimbiss dafür geschämt hätte.

Wir wurden an unserem Tisch nur selten vom Personal wahrgenommen, so fragte uns zum Beispiel niemand, ob wir ein Getränk abgesehen vom Mineralwasser wollten. Regelmäßig stellten fleißige Kellner  Flaschen und Gläser auf einem Sideboard direkt neben uns ab, was störte, da sie sich in der Dunkelheit nahezu unbemerkt anschlichen.

Wer gern in ein Restaurant geht, um zu zeigen, dass er es sich leisten kann, ist im Zenzakan richtig. Die Zutaten sind hochwertig, die Ergebnisse leider nur Pan-asiatischer Durchschnitt. Es ist ein Asia Restaurant im Ultra chicen Design, fernab von Asia-Kitsch. Das Restaurant ist stylish schwarz, die einzigen sichtbaren Farbkleckse sind die weißen Tischdecken und die roten Lampen. Das Zenzakan ist sicher ein In-Treff der „Reichen und Schönen“, die Idee der Hybrid-Küche gefällt, an der Ausführung hat es, zumindest an diesem  Samstag gehapert.

Vielleicht noch ein Wort zum Personal: Alle Mitarbeiter waren korrekt und höflich, es fehlten aber Herzlichkeit und Wärme. Bei den beiden Herren am Eingang hatten man das Gefühl, der fremde Gast nervt, namentlich bekannte Gäste werden deutlich anders hofiert.


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Ein Kommentar auf "Restaurant: Supper Club „Zenzakan“ in Frankfurt"

  1. w-family sagt:

    Bei unserem ersten Besuch im Oktober waren wir, von den Betreibern eingeladen und ich muss sagen, Sehr gute und kreative Küche die Lust auf Mehr macht. Die Speisen frisch und auf den Punkt, die Zwischengänge vom Haus eine weitere Bestärkung der Kreativität des Kochs. Der Weinkeller ist ein wirklich anspruchsvoller Spaziergang durch regionale und internationale Weine. Der Service am Tisch ist unaufgeregt und immer da wenn man ihn braucht. Danke für einen sehr schönen Abend.
    Zitat : Der dritte Besuch, wird bald folgen.

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